Xièxiè zhōngguó! Schön war es!

Vorbei – nach vier Wochen China freue ich mich auf zu Hause! Ich hoffe es hat euch Freude gemacht, das Blog zu verfolgen. In den nächsten Tagen werde ich sicher noch viel zu berichten haben.

Ich habe jede Menge freundliche Menschen kennengelernt und so unterschiedlich sind die Menschen in China und Europa gar nicht. Sie streben alle nach einem guten Leben und einem gut bezahlten Job. Und auch hier hilft ein kleines Lächeln immer weiter …

Geschätzt habe ich die Pünktlichkeit und die Sauberkeit, nicht so gut fand ich das viele Gedränge. Toll die vielen neuen Inspirationen, wie einfach Zug fahren sein kann. Wie DiDi es schafft, dass man ein öffentlichen Nahverkehr gar nicht vermisst hat. Überhaupt, wie einfach CheckIns, CheckOuts gehen …

Geliebt habe ich die Chinesen, also die die ich kennenlernen durfte, für ihre Mentalität uns jeden Wunsch zu erfüllen. Das ging soweit, dass ich vorher überlegt habe, ob ich mir etwas wünsche.

Und das Essen natürlich! Mal sehen, wie man das in Leipzig integriert bekommt 😉 …

Und dann noch das Ding mit den Autos … Wahnsinn, wie schnell sie den Vorsprung aufgeholt haben. Ich konnte auch mit meiner typisch deutschen Pingeligkeit keine großen Unterschiede feststellen. Und wir sind einige chinesische DiDis gefahren.

Anmerkung:

Die überall installierten Kameras haben mich trotzdem mal überlegen lassen, was ich eigentlich so an Daten da gelassen habe 😉 – ich kann halt nicht anders:

  • Namen, Adresse
  • E-Mail Adresse, Telefonnummern
  • Geburtsdatum
  • Größe, Gewicht, Augenfarbe
  • Passnummer
  • Handabdrücke linke Hand, rechte Hand
  • Gesichtsscan, Passbild
  • Lebenslauf
  • Kreditkartennummer
  • Bewegungsprofile

Ich denke aber das alle Daten nach 6 Monaten gelöscht werden (Grundsatz der Zweckbindung).

Shanghai (上海)

Bevor es über Peking wieder zurück in die Heimat geht, haben wir einen Abstecher nach Shanghai unternommen – in der “Golden Week” – Nationalfeiertag in China.
Um es vorweg zu nehmen, ein völlig anderes China, wie ich es die dreieinhalb Wochen davor kennengelernt habe. Das Lächeln der Menschen ist weg – alle wollen irgendwie irgendwohin. Liegt aber vielleicht auch an den “Un”-Massen an Touristen …

Natürlich ist die Stadt schwer beeindruckend – das seht ihr an den Bildern in der Bildergalerie. Was da in wenigen Jahrzehnten entstanden ist nötigt jedem Respekt ab. Wir haben natürlich das zweithöchste Gebäude der Welt (Shanghai – Tower, im Bild rechts) besucht und uns alles in Ruhe von oben angeschaut.

Abends wollten wir uns das Spektakel zur Golden Week (Nationalfeiertag in China) anschauen.

Was bietet Shanghai sonst noch? Für Museen bräuchte man mehr Zeit. Bleiben moderne Einkaufs-Tempel wohin man schaut … aber irgendwie nichts für uns. Auch der Apple-Store ist eine Enttäuschung … nix Weltbewegendes, irgendwie rumpelig. Dann eher eine Flussfahrt – Hochhäuser bestaunen – bei dem schwülwarmen Wetter eine gute Idee.

Eher durch Zufall sind wir auf einen Park gestossen, wo es einen Hochzeitsmarkt gab. Ich habe es immer für ein Gerücht gehalten. Großeltern “bieten” hier ihre Enkel und Enkellinnen an. Ich habe mal einige Anzeigen durch den Übersetzer gejagt – “angeboten” wurden Männer und Frauen um die 1980er Jahre geboren.

Shanghai Maglev (Transrapid)

Diese Chance konnten wir uns nicht entgehen lassen! Einen Transrapid im Linienbetrieb zu erleben – in Shanghai möglich. Die Züge basieren auf dem Transrapid – TR 08, entwickelt von Siemens und Thyssen Krupp. Sie verbinden die Station Longyang Road (Metro-Anschluss) ↔ Pudong International Airport. Für 150 Yuan kann man einen Roundtrip buchen und einmal zum Flughafen und zurück fahren.

Leider war bei 301 km/h Schluß – mehr fährt er wohl wegen der Belastung des Stromnetzes in Shanghai nicht. Egal, es war ein Erlebnis diese Technologie einmal selbst kennenzulernen! Interessanterweise gab es schon die ein oder andere “Bodenwelle” beim Fahren.

Shanghai Maglev (Transrapid)
Shanghai Maglev (Transrapid)

In Deutschland gab es im Emsland eine 660 Meter lange Teststrecke, aber nach einem tragischen Unfall war dort Schluß. Die Chinesen haben die Technologie übernommen … auch wenn die Strecke die ersten Jahre wohl Verluste gemacht hat. Aktuelle Zahlen konnte ich leider nicht finden.

Funktionsprinzip (Daten aus dem Maglev-Museum:

Wenn sich der Zug bewegt, erzeugt das sich bewegende Magnetfeld des Bordmagneten einen induzierten Strom in der auf der Strecke installierten Schwebespule (siehe Bildergalerie). Zusammen erzeugen sie eine magnetische Aufwärtskraft, um den Zug auf einer bestimmten Höhe der Oberfläche der Fahrbahn (in der Regel 100 – 150 mm) zu bringen. Der Zug fährt geradeaus … und “schwebt”.

Technische Daten

EigenschaftWert
Maximalbetriebsgeschwindigkeit (kommerziell)431 km/h vor Mai 2021
Danach reduziert auf ~ 300 km/h bei manchen Fahrten, laut Ansage wegen zu hoher Belastung des Stromnetzes von Shanghai
Durchschnittliche Reisezeit Langyang Road ↔ Flughafenca. 8 Min bei voller Geschwindigkeit, wir haben aber einen RoundTrip gebucht …
Fahrzeiten / TaktEtwa alle 10 Minuten …
Kapazität pro Zug574 Sitz-/Stehplätze
Maße der ZügeLänge ca. 153–154 m; Breite ~ 3.7 m; Höhe ~ 4.2 m

Quelle: https://www.maglevboard.net/ und Museum der Maglev in Shanghai

China aus Sicht der Studenten

Ich weiß gar nicht mehr ob es meine Idee, oder die meiner Kollegen war. Aber irgendwie hat es mich gestört, das ich einiges über Deutschland erzählt habe, aber nicht so viel über China gehört habe. Wie ist das Bildungs- und Rentensystem in China? Wie geht man mit der Klimakrise um? Und was bedeuten die vier Sterne in der chinesischen Flagge? Was machen chinesische Jugendliche in Ihrer Freizeit? Und was muss man in China wirklich gesehen haben? Und was unbedingt probiert haben? Fragen über Fragen ….

Aber keine Herausforderung bei über 65 Studenten in einer Klasse (überwiegend männliche Studierende). Das Ergebnis könnt ihr in der Bildergalerie sehen … sicher ist einiges mit ChatGPT entstanden – aber Ziel erreicht: Ich konnte viel über China aus Sicht von Chinesen erfahren! Und ihr jetzt auch 😉 …

Kaiserliche Sommerpalast (避暑山莊 / 避暑山庄)

Der Sommerpalast ist herrlich eingebettet in die Bergwelt von Chengde und schnell und gut aus der Innenstadt von Chengde zu erreichen. Ich bin heute noch erschlagen, von den vielen Eindrücken – trotz des nicht so guten Wetters. Pagoden wechseln sich mit Seen, Brücken, kleinen Kletterpartien und Palästen ab. Alles sehr gut per Wanderung zu erkunden.

Den Informationstafeln konnte ich folgendes entnehmen:

Das Bergressort und die abgelegenen Tempel wurden zwischen 1703 und 1792 n. Chr. erbaut. Der Bau wurde von der Regierungszeit Kaiser Kangxis über die Regierungszeit Kaiser Yongzhengs bis hin zur Regierungszeit Kaiser Qianlongs fortgesetzt und dauerte insgesamt 89 Jahre.

Die Kaiser nutzten die Tempel als Erholungsort um der Sommerhitze in Peking zu entfliehen, sich um die Staatsangelegenheiten zu kümmern und Buddha zu verehren. Mit einer Gesamtfläche von 5.640.000 Quadratmetern ist es der weltweit größte noch existierende kaiserliche Garten. Der Garten ist in vier Bereiche unterteilt: Der Nordwesten des Resorts ist Berggebiet, der Südosten ist Seegebiet und der Nordosten ist Flachland. Die Gesamtform sieht wohl aus wie das chinesische Staatsgebiet.

Die Außenbezirke umgeben das Bergressort mit 12 Tempeln auf einer Fläche von ca. 400.000 Quadratmetern, die wie ein Halbmond angelegt sind. Im Puning-Tempel wird der tausendarmige und tausendäugige Avalokitesvara verehrt, die höchste Holz-Buddha-Statue der Welt. Der Xumi Fushou-Tempel wurde von Kaiser Qianlong erbaut, um den sechsten Panchen Lama zu empfangen, und der Putuo Zongcheng-Tempel wurde zu Ehren des Geburtstags der Mutter von Kaiser Qianlong erbaut.

Für den sehr weitläufigen Außenbereich haben wir uns für den Kleinbus entschieden (60 Yuan), der vier Aussichtspunkte erschließt. Die haben sich gelohnt – siehe Bildergalerie – viel Spaß beim Durchklicken!



Der Bericht von Sven Hedin aus dem Jahre 1932 (History of the Expedition in Asia, 1927-1935 : vol.2):

https://dsr.nii.ac.jp/toyobunko/E-290.9-HE01-025/V-2/page-hr/0177.html.en

Chengde (承德市)

Für das letzte Wochenende in China war Chengde unser Ziel. Der Sommerpalast – ein Bergkomplex und UNESCO-Weltkulturerbes – das mussten wir uns anschauen. Zum Glück waren die anderen schon mehrfach dort, Kompetenz war also an Bord. Zum Sommerpalast mache ich aber noch einen Extra-Post.

Chengde ist ca. 630 km von Xingtai entfernt, es bietet sich an mehrere Tage dort zu verbringen. Hotels sind, für europäische Verhältnisse, sehr günstig. Für ein Einzelzimmer bezahlt man ungefähr 43 EUR – wir sind im Hilton Garden Inn (!) direkt in der Innenstadt abgestiegen.

Chengde war früher unter dem Namen Rehe bekannt und hat im Kern ca. 3,4 Millionen und im “Speckgürtel” noch einmal 3,5 Millionen Einwohner.
Die Stadt unterscheidet sich von der Industriestadt Xingtai völlig. Chengde liegt wunderschön am Fluß Luan-Flusses (Luan He) und ist eingebettet in einer Berglandschaft – siehe Video.

Neben der Innenstadt und dem Sommerpalast haben wir uns noch die “Hebei Petroleum University of Technology” angeschaut. Robert und Sven haben dort schon unterrichtet. Die Dimensionen sind für deutsche Verhältnisse enorm, da die Studenten auf dem Campus leben – sogar mit eigenem Sportstadion, Paradeplatz …

Den Tafeln konnte ich entnehmen, dass die “Hebei Petroleum University of Technology” schon 1903 in Tianjin als „Beiyang Technology School” gegründet wurde. Sie ist damit eine der ältesten höheren gewerblichen Berufsschulen in China. Die Schule begann 1952, sich der Erdölindustrie zu widmen, und zog 1958 nach Chengde (Provinz Hebei) um. 2021 wurden die “Hebei University of Technology City College” und das “Chengde Petroleum College” zusammengelegt und in die “Hebei Petroleum Vocational and Technical University” umgewandelt.


Unterschätztes Xingtai? – 邢台市 und Bergfest!

Ein Tag für Xingtai “opfern” – das lohnt sich nicht – wurde mir gesagt. Besser nach Shanghai, Chonqging oder Changzou fahren. Ja natürlich, Xingtai ist 3.500 Jahre alt – aber es ist nicht viel übrig von der historischen Innenstadt. Und das was da ist, wurde neu gebaut – bis auf das alte Stadttor. Nach alten Plänen natürlich … übrigens ein durchaus gängiges Vorgehen in China. Man baut nach, was mal da war. Für Touristen und weil man natürlich Stolz ist, auf seine sehr, sehr lange Tradition und bewegte Geschichte.

Aber wir haben uns nicht abbringen lassen und wurden belohnt. Wir haben einen wunderschönen Tag mit historischen Tempeln, einem historischen Stadttor nebst Innenstadt und einem tollen Museum verbracht.

Und wir konnten endlich einmal einkaufen gehen … ;-). Aber seht selbst …


Xingtai am Abend

Bilder: @Paul … vielen Dank!

Essen in China – mehr als nur essen.

Unsere Küche in der Wohnung hat kein Geschirr, kein Stäbchen und auch keine Töpfe … wird also kalt bleiben in den vier Wochen. Aber die Auswahl an Restaurants, Imbissen, Take-Away-Buden und Essenständen ist schier riesig. Und dann sind da ja noch fünf Mensen … Und liefern lassen könnte man sich sein Essen natürlich auch.

Aber Essen in chinesischen Restaurants ist hier etwas ganz ganz anderes, als bei uns in Leipzig. Hier isst man gemeinsam um einen HotPot oder einen Barbeque-Grill – das ist um einiges geselliger – siehe Fotos – und macht riesigen Spaß. Wenn man Alkohol trinken möchte, bringt man ihn in vielen Restaurants selbst mit. Ich habe aber erlebt, dass Bier oder Wein beim Essen nicht üblich ist. Gegen einen (Reis)-Schnaps nach dem Essen hat aber keiner etwas …

1.000jährige Eier – eine Spezialität, die wohl nicht alle Chinesen mögen. Woher der Name kommt? Frau Wang erzählte mir: Als die ersten Ausländer nach China kamen, haben sie diese schwarzen Eier gegessen. Sie dachten, dass die schwarze Farbe von der langen Liegedauer kommt. Weit gefehlt … es handelt sich wohl um eine Konservierungsmethode.

Gastfreundschaft auf Chinesisch

Die Gastfreundschaft ist “herzerweichend” – die Chinesen wollen dir jeden Wunsch erfüllen – auch wenn er mir gar nicht sooooo wichtig war. Und ein Lächeln öffnet ihre Herzen, sie kramen ein paar englische Worte raus, die sie einmal gehört haben und wollen sich mit dir unterhalten. Und ja, ein Foto muss immer sein … gerade in Xingtai sind Europäer immer noch ein sehr seltener Anblick. Außer uns habe ich lediglich im Dakaiyuan-Tempels in Xingtai – 大开元寺 einmal zwei Italienerinnen getroffen, die Kung Fu in China lernen …

Aber jetzt geniesst die Bilder:

Dakaiyuan-Tempels in Xingtai (大开元寺)

Gestern besuchten wir den Buddhistischer Tempel in Xingtai, in anderen Quellen „Kaiyuan Temple“ genannt. Den Tafeln im Tempel konnte ich entnehmen, dass er ursprünglich in der Kaiyuan-Periode der Tang-Dynastie gegründet wurde, also vor über 1.200 Jahren.

Während verschiedener Dynastien – Tang, Yuan und früher in der Ming-Zeit – hatte er eine wichtige Rolle; er war königlicher Tempel und Zentrum des Buddhismus im Norden Chinas.

Die Tempelanlage ist in mehrere Bereiche aufgeteilt, der alte historische Teil – derzeit nicht zugänglich – und neuere Erweiterungen nach Renovierungen ab dem Jahre 2006. Die Gebäude werden zum Teil als Ausstellungsräume genutzt – zum Teil für religiöse Zwecke. So konnte ich als erster Ausländer eine Karte mit Wünschen für liebe Menschen beschreiben – für ein Jahr. Eine Art “Glücksabo” – danach müsste ich es für 200 Yuan verlängern …

An schönsten am Tempel fand ich aber die Ruhe und das viele Grün in dieser 7,5 Millionen Einwohner Metropole. Kein Hupen, kaum Menschen und Gedränge … einfach mal Ruhe. Unbezahlbar!

Himmelstempel Peking

Die sehr gut erhaltene und gepflegte Anlage liegt in einem großen Park im Süden von Peking und ist von einer langen doppelten Mauer umgeben. Im Norden ist der Grundriss der Mauern rund, im Süden eckig. Diese Form basiert laut eigenen Angaben auf der alten Vorstellung, dass der Himmel rund und die Erde eckig ist.

Im inneren Bereich, der von der äußeren Mauer abgetrennt ist, stehen die wichtigsten Gebäude. Das Bekannteste ist die „Halle der Ernteopfer“, ein wirklich beeindruckendes, ca. 36 Meter breites und ca. 38 Meter hohes rundes Gebäude auf einer dreistufigen Marmorterrasse. Diese Halle steht für das Gebet um gute Ernten zu erzielen. Beeindruckend auch die Treppen, die zum Tempel führen und symbolisch für den Weg zu den Göttern stehen. Gebaut wurde er zwischen 1406 und 1420 unter der Herrschaft des Ming-Kaisers Yongle. (Quelle: Infotafeln vor Ort)

Im südlichen Teil befindet sich die „Halle des Himmelsgewölbes“, umgeben von der „Echomauer“. Diese Mauer hat die besondere Eigenschaft, dass sie Schallwellen entlang ihrer Oberfläche leitet, sodass man das Gesprochene an der gegenüberliegenden Seite hören kann. Problem: Zu viele Menschen – konnten wir nicht testen).

Beide Hallen stehen auf einer Achse und sind durch die 360 Meter lange Danbi-Brücke verbunden. Diese Achse, auf der auch die Marmorterrasse liegt, erstreckt sich über 1200 Meter und ist von alten Bäumen flankiert.